PilotprojektA4 – 2017

Pilotprojekt A4 – Kurzbeschreibung

Untersuchung, Evaluation und Beratung für Männer bei Betroffenheit von häuslicher Gewalt

Das Pilotprojekt A4 ist das Ergebnis einer Fachdebatte (Kleine Anfrage im Thüringer Landtag, Fachkräfte verschiedener Professionen) zur Frage, ob es in Thüringen einen Bedarf an speziellem Beratungs- und Unterstützungsangebot für von häuslicher Gewalt betroffene Männer gibt.

Im Sinne von qualifiziertem Opferschutz und Geschlechtergerechtigkeit wird untersucht, in welcher spezifischen Form es notwendig ist, Männern in Thüringen, bei Betroffenheit im Kontext häuslicher Gewalt, geschlechterspezifische Beratungsmöglichkeiten anzubieten. Gleichzeitig entsteht für die Zeit des Pilotprojektes ein regionales Beratungsangebot für Männer, die von häuslicher Gewalt und Stalking betroffen sind.

Die Beratung wird in einer festgelegten Region mit städtischem und ländlichem Charakter in Mittelthüringen angeboten. Jena ist Standort des Beratungsbüros. Das Pilotprojekt wird vom 01. Januar bis 31. Dezember 2017 durchgeführt.

Das Projekt hat zwei inhaltliche Schwerpunkte:

1. Untersuchung, Evaluation

Gibt es einen Bedarf? Welche vorhandenen Beratungsstrukturen sind nutzbar? Wie können Zugänge sinnvoll gestaltet werden? Braucht es neue, spezialisierte Angebote in Thüringen?

Die Ermittlung wird aus Sicht der vorhandenen Beratungseinrichtungen und Professionen erfolgen, welche mit Männern, die häusliche Gewalt erleben, beruflich in Kontakt kamen bzw. kommen. Ein Bedarfsfragebogen wird entwickelt und thüringenweit an Einrichtungen und Beratungsstellen geschickt, welche mutmaßlich mit von häuslicher Gewalt betroffenen Männern in Kontakt kommen (Wohnungslosenhilfe, EEFL, Einrichtungen der Hilfe für psychisch Erkrankte, Kinder- und Jugenschutzdienste, Vereine, Landesarbeitsgemeinschaften, etc.).

Außerdem entsteht, über ein Feedback der im Pilotprojekt A4 beratenen Männer, eine Dokumentation und Auswertung des subjektiven Erlebens der professionellen Beratung. Erfragt werden soll u.a., ob die Beratung selbst, die angebotenen Beratungsorte, die Zugangsmöglichkeit zur Beratung für sie sinnvoll und nutzbar waren. Ob sie aufgrund der Erfahrungen im Beratungssetting andere Strukturen, Angebote oder Methoden benötigen, und ob sie mit ihrer Gewaltbetroffenheit eine andere Form der Beratung als hilfreicher einschätzen würden.

Die beiden Untersuchungen erfolgen praxisnah, haben keinen wissenschaftlich repräsentativen Anspruch und sollen ein erstes Bild aus der Praxis ermöglichen.

Als Dritte Untersuchung erfolgt eine wissenschaftlich begleitete Evaluation durch eine Studentin der Sozialen Arbeit (Master) an der Fachhochschule Erfurt im Rahmen ihrer Forschungsarbeit. Mehr lesen.

2. Beratung – Von Mann zu Mann

A4 – Anrufen Ankommen Anhören Aktiv Werden

Männern wird mit dem Beratungsangebot preofessionelle, geschlechterspezifische Unterstützung zum Schutz oder zur Minderung häuslichen Gewalterlebens angeboten. Die Beratung erfolgt durch einen männlichen Berater – und ausschließlich für männliche Betroffene. Die Beratung erfolgt überwiegend als Einzelfallarbeit in Kommstruktur, wöchentlich an zwei Vormittagen und zwei Nachmittagen und kann, je nach Bedarf, einmalig oder längerfristig angeboten werden. Dies geschieht vorrangig im face-to-face Kontakt bei Bedarf auch telefonisch oder via Email.

Besondere geschlechterspezifische Bedürfnisse sollen herausgefiltert und berücksichtigt werden. Angeboten werden insbesondere: Geschlechtersensible und wirksame Information, Krisenintervention und Clearing, individuelle Sicherheitsplanung, Unterstützung bei der Verarbeitung der Gewalterfahrung, Psychosoziale Beratung, Weitervermittlung, Information und Austausch mit potentiellen Vermittlungs- und Kooperationspartnern.