ProjektA4 – 2018

Ein Projekt in und für Thüringen – gefördert durch das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie.

Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass das Pilotprojekt A4 um mindestens ein Jahr verlängert wurde und somit seit 01.01.2018 kontinuierlich weiterlaufen konnte. Das gilt insbesondere für die Beratung von Männern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Der Standort (Jena), die Telefonnummer und die Email sind gleich geblieben (s. Kontakt).

Nach der Erhebung im letzten Jahr gibt es ab diesem Jahr neben dem Beratungsangebot einen neuen Fokus: die Sensibilisierungsarbeit. Wie zuvor vermutet, bestätigte auch die Erhebung, dass an dieser Stelle ein großer Bedarf vorhanden ist. Männer müssen von diesem Angebot erfahren und ermutigt werden, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es liegt noch immer ein Tabu auf diesem Thema, welches es den Männern schwer macht, häusliche Gewalt gegen Männer als ein ernsthaftes Thema anzusehen und sich selbst Hilfe zu suchen.

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Kurzbeschreibung Konzept 2018

Im Jahr 2017 wurde das Pilotprojekt A4 mit dem Ziel umgesetzt, herauszufinden, in welcher Form es notwendig ist, von häuslicher Gewalt betroffenen Männern in Thüringen geschlechtsspezifische Beratungsmöglichkeiten anzubieten und somit das Hilfesystem um ein qualifiziertes Angebot für betroffene Männer zu erweitern. Es gab dabei zwei Schwerpunkte: zum einen die Erhebung und Evaluation einer explorativen Feldstudie, um den genannten Bedarf aus Sicht des Thüringer Hilfesystems zu beleuchten. Zum anderen das Angebot einer Beratungsstelle für männliche Betroffene von häuslicher Gewalt in Mittelthüringen. Mit Beginn der Ergebnisanalyse und dem Vorliegen erster Erkenntnisse aus der Erhebung, entwickelte der VEREINT gegen Gewalt e.V. für die Jahre 2018/19 ein Konzept des weiterführenden, landesweiten Pilotprojektes. In den kommenden Jahren sollen zwei Schwerpunkte die Arbeit des Pilotprojektes bestimmen. Zum einen der thüringenweite Ausbau des bereits bestehenden Beratungsangebotes für Männer, zum anderen der Fokus auf die Sensibilisierung für dieses wenig erforschte und beachtete Thema.

 

Sensibilisierung- und Öffentlichkeitsarbeit

Eine landesweite Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitsarbeit bei beteiligten Professionen, der Bevölkerung und speziell bei gewaltbetroffenen Männern ist für den Erfolg des Projektes unabdingbar. Die Erweiterung des Wissens zu diesem Thema (Welche Unterstützung brauchen Männer? Wie können sie erreicht werden? Wie müssen die Angebote inhaltlich gestaltet werden? Welche Zugänge brauchen Männer in Bezug auf das Thema?) wird ein Kernziel dieses Aufgabenschwerpunktes sein.

Für das Gelingen ist eine Veränderung des öffentlichen Bewusstseins für das Ausmaß und Folgen der Gewalt gegen Männer, d.h. eine breite Aufklärungsarbeit ist notwendig. In der Öffentlichkeit ist es zwingend notwendig Präsenz zu zeigen und das Thema wiederholt zu platzieren. Geeignete Maßnahmen wären: Presseartikel-, Radio-, TV- und Online-Beiträge, die über das Thema aufklären und Diskussionen ermöglichen. Dazu gehören auch Aktionen und Fachveranstaltungen, das Verteilen von Giveaways und die Zusammenarbeit mit anderen “Anbietern”. In Thüringen sind das vor allem die Interventionsstellen, doch auch die Frauenhäuser, die LAG Jungen- und Männerarbeit, die landesweite Koordinierungsstelle, Vereine der geschlechtersensiblen Arbeit, und ähnliche Akteure.

Zum anderen gilt es, Möglichkeiten zu nutzen und zu schaffen, in welchen Männer direkt angesprochen werden. Dazu gehört z.B. das Gestalten und Anbieten von Männerabenden. Diese können Selbsterfahrung, Informationsveranstaltungen oder Gruppenarbeit umfassen. Ziel ist die vorhandenen Hilfestrukturen zu unterstützen, zu ergänzen und im Sinne eines Synergieeffektes die gemeinsame Arbeit im Kontext der Sensibilisierung weiterzuentwickeln.

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Beratung – von Mann zu Mann    A 4  –  ANRUFEN  ANKOMMEN  ANHÖREN  AKTIV WERDEN

Männern wird mit dem Beratungsangebot professionelle, geschlechtsspezifische Unterstützung zum Schutz oder zur Minderung häuslichen Gewalterlebens angeboten. Die Beratung erfolgt durch einen männlichen Berater – und ausschließlich für männliche Betroffene. Die Beratung erfolgt überwiegend als Einzelfallarbeit in Kommstruktur, wöchentlich geplant an drei Vormittagen und drei Nachmittagen und kann einmalig bis langfristig je nach Bedarf angeboten werden, vorrangig im face-to-face Kontakt, bei Bedarf auch aufsuchend, telefonisch und per Mail.

Besondere geschlechtsspezifische männliche Bedürfnisse sollen herausgefiltert und berücksichtigt werden. Angeboten werden insbesondere: Geschlechtersensible und wirksame Information, Krisenintervention und Clearing, individuelle Sicherheitsplanung, Unterstützung bei der Verarbeitung der Gewalterfahrung, Psychosoziale Beratung, Weitervermittlung, Information und Austausch mit potentiellen Vermittlungs- und Kooperationspartner.

 

Perspektive

Mit der Erweiterung es Pilotprojektes A4 auf ganz Thüringen soll eine Lücke im Hilfesystem geschlossen und männliche Betroffene häuslicher Gewalt als Opfergruppe wahrgenommen, fachspezifisch und prozesshaft beraten werden. Durch die angestrebten Kooperationen werden vorhandene Netzwerke ausgebaut und gefestigt und neue männerspezifische Netzwerke können entstehen. Die immanente Nachhaltigkeit eines Sensibilisierungsprojektes kann im Resultat einen direkten Einfluss auf die thüringische Gesellschaft nehmen. Damit verfolgt das Projekt auch den Anspruch, einen positiven Teil zum gesellschaftlichen Wandel beizutragen.

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